Meine Emma

Meine geliebte und hingebungsvoll treue Begleiterin Emma ist gestorben. Am Palmsonntag, den 28. März. 2021. Am Abend. Kurz vor Zubettgehenszeit. Wir, mein Mann und ich, durften sie begleiten, stützen und betten. Die Trauer kam zuverlässig danach.

Heute ist es vier Tage her. Die Trauer trägt jeden Tag ein anderes Gewand. Manchmal wechselt sie stündlich ihre Garderobe. Heute lässt sie mich in Dunkelgrau gehen. Heute tut es unglaublich weh. Unfassbar, dass das schöne Tier nicht mehr um die Ecke kommt, mich auffordert raus zu gehen, Futter braucht oder einfach nur schauen will, wo ich stecke. Heute erwürgt mich die Trauer. Rückhaltlos. Grob. Stur und mit Mundgeruch. Heute ist meine Trauer so subtil, dass ich im einen Moment nicht weinen kann und im anderen der Schmerz meine Eingeweiden schier zerreisst.

Heute gab es Momente, da war ich erstaunt. Über mich selbst. Wie ein Kleinkind tappte ich in meine neuen freien Zeiten. Traute mich nicht, mich entsprechend zu freuen ob der geweiteten Zeit und den neuen unabhängigen Möglichkeiten. Tappte in mein Büro mit den vielen unerledigten Zetteln auf dem Schreibtisch. In den vergangenen Monaten hatte ich meine Papiere und Ordner nach unten getragen, um sie zu bearbeiten. Unten, das bedeutet Wohnzimmer. Das bedeutet Sofa mit Menschenplatz und Hundeteil. Und vor allem bedeutet es treppenfrei, denn das Treppensteigen ist, war, seit Wochen endgültig vorbei für Emma.

Zaghaft dann an das Erledigen der Dinge gewagt. Und dann das unrunde Klappern ihrer Nägel auf den Fliesen im Eingang vermisst. Ganz plötzlich unerwartet. Meine Augen konnten dir Tränen wieder einmal nicht auffangen. Augen sind keine Tränen-Cysternen. Die Augenwinkel sind zu klein, die schaffen das auch nicht.
Ich bin immer noch un-tröstlich.
Wenn Arthur und Stefan nachher wieder kommen, werden wir uns gegenseitig trösten.